Lipödeme gibt es wahrscheinlich schon solange wie die Menschheit existiert. Zeichnungen von stark verdickten Beinen finden sich in vielen alten Kulturen, z. B. Malta 3000 vor C. und Ägypten 1500 vor C. Ob das als Krankheit angesehen wurde, ist natürlich nicht bekannt.

Lipödem - was ist das?

Und trotzdem nimmt die Mehrheit der Menschen diese Veränderungen nicht als Krankheit wahr. Betroffen sind fast ausschließlich Frauen, die täglich vielfältigen Beschwerden ausgesetzt  sind und aus Unkenntnis zudem oft stigmatisiert werden.

 

Die ersten und typischen Anzeichen des Lipödems sind Spannungsgefühle, Schmerzen und Erschöpfung in den Beinen. Sie beginnen bei längerem Stehen oder Sitzen, werden im Lauf des Tages zunehmend heftiger und können bis ins Unerträgliche anwachsen.

 

Die Schmerzen lassen selbst durch Hochlagern der Beine nicht nennenswert nach.

Bei manchen Frauen sind sie einige Tage vor der Monatsblutung besonders ausgeprägt.

Das Lipödem tritt in der Regel nicht vor der Pubertät auf. Es kann auch im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft, den Wechseljahren oder einer gynäkologischen Operation (Entfernung von Gebärmutter, Eierstöcke, Eileiter etc.) auftreten bzw. sich verschlimmern.

 

Auf Grund dieser Beobachtungen wird vermutet, dass Hormone einen entscheidenden Einfluss bei der Entwicklung dieser Erkrankung haben.

 

Welche Ursachen ein Lipödem hat, ist letztlich noch nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich gibt es eine erbliche Komponente, da bei etwa 20 Prozent der Betroffenen weitere Fälle innerhalb der Familie vorkommen.

 

Interessanterweise kommt das Lipödem bei Asiatinnen praktisch nicht vor. Und, darauf möchte ich besonders nachdrücklich hinweisen- schlanke Frauen können ebenso ein Lipödem bekommen wie Frauen, die übergewichtig, also fettleibig sind.

Leider zeigt das Lipödem eine Neigung zur Verschlimmerung. Diese Entwicklung (medizinisch „ Progrendienz“) ist individuell unterschiedlich und nicht vorhersagbar.

Bei Menschen mit Lipödem vermehrt sich an beiden Beinen (oder den Armen) das Fettgewebe der Unterhaut. Im Unterschied zur Fettzunahme bei Übergewicht wachsen jedoch nicht die einzelnen Fettzellen, sondern das Fettgewebe an sich verändert sich:

  • mehr Fettzellen: Die Zahl der Fettzellen steigt, wodurch das Fettgewebe der Unterhaut dicker wird.

  • mehr und fester strukturiert: Fettzellen liegen immer zu mehreren als Läppchen organisiert im Gewebe vor. Beim Lipödem sind die Strukturen, die die Fettzellen zusammenhalten, stärker und auch vermehrt vorhanden. Die Läppchen bilden als Folge tastbare Knötchen in der Unterhaut.

Bei einem Lipödem nimmt die Zahl der Fettzellen in der Unterhaut an den Beinen (oder Armen) stetig zu. Außerdem kommt es beim Lipödem zu einer Erkrankung der kleinsten Blutgefäße (medizinisch sog. Mikroangiopathie), dadurch nimmt die Durchlässigkeit der feinen Blutgefäße (Kapillaren) zu. Gleichzeitig filtriert der Körper mehr Wasser aus dem Blut, das durch die durchlässigeren Gefäßwände leichter ins umliegende Fettgewebe gelangt. Auf diese Weise bildet sich oberhalb der Faszien eine Schwellung (ein Ödem). Das betroffene Gewebe reagiert als Folge dieser Wasseranstauung sehr schmerzhaft auf Druck.

Außerdem kommt es aufgrund der durchlässigeren Kapillaren rascher zu blauen Flecken, da nicht nur Wasser, sondern auch rote Blutkörperchen leichter die Gefäßwände durchdringen. Bereits kaum merkliche Stöße können so zu blauen Flecken führen.

Über die Jahre belastet die Erkrankung zunehmend die Lymphgefäße und stört im Verlauf auch den Lymphabfluss. Auf diese Weise kann sich zusätzlich zum Lipödem ein Lymphödem ausbilden.

Man schätzt, dass ca 9 – 11 % aller Frauen vom Lipödem betroffen sind. Wahrscheinlich liegt die Zahl sogar höher, da ein Lipödem im Anfangsstadium möglicherweise nicht als solches erkannt wird. In etwa 70 Prozent der Fälle betrifft die Erkrankung nur die Beine, in 30 Prozent der Fälle sind auch zusätzlich die Arme von der Entwicklung betroffen.